25 KM von Berlin - Halbmarathon, 10 Km und 5x5 Km
Mittwoch, 9. Mai 2012

MAX hatte schon ganz früh das Vergnügen: Nach einer relativ kurzen Nachtruhe – warum finden diese verflixten Straßenläufe nur immer Sonntagmorgens statt? – tapste er gegen acht Uhr zur Ring-Bahn. Schon am Treptower Park wimmelte es darin vor blauen Taschen und Turnschuhträgern. Von Station zu Station wurden es mehr, bis sich dann am Olympiastadion die Menge auf den Bahnsteig drückte. Gut 10.000 Teilnehmer waren es dieses Jahr insgesamt beim „ältesten großen Citylauf Deutschlands“, den Älteren noch als „25 km von Berlin“, den Veteranen als „Deutsch-französischer Freundschaftslauf“ bekannt, der am vergangenen Sonntag unter dem neuen, dem Hauptsponsor gewidmeten Namen „BIG 25 Berlin“, stattfand.
 

Wehe, wenn sie losgelassen - ca. 10.000 Teilnehmer machen sich auf die Strecke

Bei diesem Werbezirkus haben wir auch schon Schlimmeres gesehen, z.B. „easy credit Stadion“ oder „Berlin Recycling Volleys“. Doch das sollte unseren kleinen Verein nicht schrecken: Ein kleiner türkisgrüner Trupp sammelte sich bereits eine Stunde vor dem Start und absolvierte eine lockere Einlaufrunde in der vertrauten Habig-Hallen-Umgebung. Im Startblock wurde es dann nach und nach immer grüner, da sich erstaunlich viele Vereinsmitglieder eingefunden hatten.

An die 25km traute sich zwar kein LTCer, dafür hatten wir die weiteren Wettbewerbe gut besetzt. MAX, NIKO, ARNE, MIA und JAKOB starten in der 5x5km-Staffel – für sie ein Trainingslauf, der mit 1'29''28 ordentlich über die Bühne gebracht wurde. Platz zwei in der Gesamtwertung und Platz eins der gemischten Staffeln war der Lohn.
 

Kolja (diesmal weiß bestrumpft) und Axel, hier noch einträchtig beisammen

An den Halbmarathon wagten sich KOLJA und AXEL. Bis km 6 konnten beide zusammen von dem Windschutz einer Gruppe profitieren, die zwischen km 7 und 8 allerdings anderer Wege Richtung 25km zog. Die beiden Türkisen hatten dort schon ein bisschen Abstand zueinander – sie lagen auf Platz drei und fünf, was sich bis zum Ziel nicht mehr ändern sollte.
 
KOLJA konnte die Tempoarbeit seinem britischen Konkurrenten überlassen, der unbeirrt vorne lief und immer anzog, wenn der Berliner ihm mal Windschatten laufen wollte. Manche Läufer sind so. Vielleicht hat dieses Wettkampfverhalten den Konkurrenten Körner gekostet, jedenfalls konnte KOLJA ihn auf den letzten 150m im Olympiastadion überspurten – und stand später trotzdem als Dritter auf dem Podium, weil der Brite im Startblock weiter hinten stand und die Plätze logischerweise nach Zeit vergeben wurden. Mit 1h18'04'' konnte KOLJA nach seiner verletzungsbedingten Absage des Parismarathons vor drei Wochen jedoch recht zufrieden sein.
 
Eine besondere Erfahrung hielt bei diesem Halbmarathon das – durch die Abkürzung gegenüber dem 25km-Lauf bedingte – Überholtwerden durch die Spitze bereit:

Bekanntlich sieht man als Hobbyläufer die Spitze am Start sich warmmachen, in der ersten Reihe Platz nehmen und dann erst wieder am nächsten Tag mit ihren traumhaften Zeiten in der Zeitung.

Oder in einem kurzen Fernsehausschnitt von einem Renndirektor kurz nach Zieleinlauf gnadenlos vor eine Sponsorenmediawand – Credit, Recycling oder eben BIG – gezerrt, rasch trockengetupft (ein Handtuch für alle) und dann den Pressefotografen überlassen.

Hier also einmal anders: die Spitze tauchte auf dem Ku’Damm mit einem eben so locker wie hochfrequenten „Tapp tapp“ plötzlich im linken Augenwinkel auf und zog dann in einem fast eine Minute pro Kilometer schnelleren Durchschnittstempos sehr rasch wieder gen Horizont. Sehr beeindruckend, auch wenn man selbst bereits zur Erschöpfung neigt. Der Schnellste der Schnellen durfte sich auch bald nach dem Überholmanöver über den 25km-Weltrekord freuen.

KOLJA und AXEL bliebt die etwas belustigt registrierte Anfeuerung der Passanten, als die Spitzengruppe einmal an ihnen vorbeigezogen war: „Los zieh!“, „Dranbleiben!“

Olaf beim Zieleinlauf nach 10 Km

Durchweg zufrieden waren die 10km-Starter EMILY, IVO, OLAF, PHILIP und STEPHAN, auch wenn die Strecke trotz des saftigen Startgeldes schlecht vermessen war. Der Einlauf ins Olympiastadion entschädigt jedoch für so einiges. PHILIP konnte unter 40min bleiben. Er lief mit STEPHAN zusammen, für den die Bedingungen einfach perfekt waren. Erst bei Kilometer sechs musste STEPHAN ihn ziehen lassen. Denn nachdem es den Kaiserdamm runter ging, musste man auf dem Rückweg auch wieder bergan. Und das alles ohne großartige Stimmung am Streckenrand. STEPHAN musste seine eigene Pace machen. Wäre die Strecke richtig vermessen, wäre er eine niedrige 40er-Zeit gelaufen. Aber er war auch so voll zufrieden.


Die BIG4 über 10 KM - Ivo, Philip, Stephan und Emily bei KM 9


EMILY wurde in den letzten Wochen auf harte Proben gestellt: nach ihren infektbedingten Ausstiegen beim Berliner Halbmarathon und den 10km in Velefanz begann sie schon an ihrer Leistung zu zweifeln und mit der Überlegung zu spielen, weitere Wettkämpfe für dieses Jahr abzusagen. Ihr Vater überzeugte sie dann aber doch am Wochenende über 10km zu starten. Ohne Uhr und Druck und in dem Wissen, dass die Strecke eh ‘zu lang’ ist, lief sie ein ganz entspanntes Rennen – und erreichte den dritten Platz der Frauen. Weiteren Wettkämpfen in diesem Jahr steht also nichts im Wege.


Hier die einzelnen Ergebnisse im Überblick:

5 x 5km-Staffel:
1'29''28
 
Halbmarathon:
Kolja: 1'18''04
Axel: 1'20''16
 
10,x km:
Ivo: 36'24
Olaf: 37'52
Philip: 39'18
Stephan: 41'07
Emily: 42'04
Dominique: 45'48

Glückwunsch an alle!


Trainingslager Usedom/Zinnowitz 2012
Freitag, 27. April 2012



Sieben Tage an der Ostsee

Seit vielen Jahren fährt Heinrich mit seinen Leuten immer wieder an Ostern nach Zinnowitz. Diesmal kamen acht Athleten in den Genuss eines Trainingslagers unter perfekten Bedingungen. Das Training war hundertprozentig auf alle Beteiligten abgestimmt, die Unterkunft wunderbar, das Essen selbst gekocht (teilweise gezaubert), die Frei- und Ruhezeiten absolut ausreichend. Was will der verwöhnte Läufer mehr? Nicht einmal über das Wetter konnten wir uns beklagen.




Los ging es am Montag, den 9. April. Gegen vierzehn Uhr war das komplette Team versammelt. Der eine oder andere kam mit dem Zug, der Rest mit dem Auto. Zum Auftakt ein wenig Dauerlauf die Strandpromenade entlang, ein paar Sprints und zurück in die Wohnung. In einer kleinen Sitzung und anschließend beim Italiener wurden die wichtigsten Daten der Woche abgestimmt. Morgens kurz vor acht stets einen Frühstückslauf (6-10km), am Nachmittag dann 200er, Bergläufe und GA3 im Wechsel mit längeren Dauerläufen. Es war für jeden aus der sehr heterogenen Gruppe etwas dabei (Mittelstreckler, Langstreckler, Rekonvaleszenten).




Besonderen Anklang fand die 2,5km lange Crossrunde im Wald, ein Schmuckstück dieser Insel. Manch einer lief sie fast jeden Tag.




Als es am 16. April wieder zurück nach Berlin ging, waren sich alle einig: Es war eine herrliche Vorbereitungszeit auf die kommende Saison. Die ganze Truppe dankt Heinrich nicht nur für die täglich frischen Brötchen am Morgen, sondern auch für die geradezu fürsorgliche Rundumbetreuung.



Max


Spreewald Halb.-MRT / Weißenseer Frühlingssportfest
Mittwoch, 25. April 2012

Spreewaldmarathon am 22.04.2012

Ich hatte es schon am Samstagmorgen gespürt.

Da absolvierte ich einen kleinen Auftakt mit NIKO im Plänterwald. Locker schwatzend trabte er im 4:30er Tempo neben mir her und erzählte von seinen Zielen für den nächsten Tag. Eine Minute schneller im Schnitt wolle er beim Halbmarathon angehen, einfach mal in der Spitzengruppe mitmischen und dann sehen, was geht.

Ein bisschen Respekt vor der Streckenlänge klang in seinen Worten schon mit, immerhin war er seit 9 Jahren nicht mehr über diese Distanz gestartet. Selbst hätte ich ihn gern moralisch dabei unterstützt, war aber für den Sonntag renntechnisch schon anderweitig eingespannt. Eines war mir aber klar: NIKO war in Form, auch wenn er unter leichtem Schnupfen litt und den vielen Kilometern, die da auf ihn warteten, etwas bang entgegenblickte.

Am Sonntagmorgen stand dann bei NIKO doch ein Helfer auf der Matte: Ultra-MAGNUS, frisch aus Stockholm zurück, wo er überlegen die 50 Miles gewann, ging unserem Läufer freundlich und kompetent zur Hand. Das eine oder andere Foto hat er auch geschossen.

Gemäß dem Motto gesagt, getan, legte NIKO im Rennen genau so los, wie er es angekündigt hatte. 3:30er Gang eingelegt und ab.



Zu seiner Überraschung befand er sich damit allerdings nach 200m bereits an der Spitze des etwa 800 Starter zählenden Feldes. Knapp drei Kilometer lang hörte er den einen oder anderen noch in seinem Rücken schnaufen, dann war plötzlich Ruhe: Die Gabelung 10km/Halbmarathon lag nun hinter ihm.

Von da ab ging es allein auf einsamen Sträßchen gegen den Wind durch frühlingserwachende Wiesen und Felder. Der Abstand auf den Zweitplatzierten vergrößerte sich, das Tempo hingegen sank auf 3:35/km.



Im Ziel blieb die Uhr dann bei 1:15:29 stehen, der Zweite folgte gut eine Minute später. Die Zuschauer jubelten, und NIKO war trotz der nicht berauschenden Zeit sehr zufrieden. Er hatte die Streckenlänge ohne Einbruch souverän gemeistert und war bei einem einsamen Rennen deutlich als erster ins Ziel gekommen. Für ihn als Sieger gab es dann noch Gurkenspezialitäten, ein Badehandtuch und Duschlotion.

Und ich? Ja, ich hatte das schon am Samstagmorgen gespürt.

Super, Niko.

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Frühlingssportfest des Weißenseer SV


Von der Ost- direkt an den weißen See – so verlief die Flugbahn in die Freiluftsaison für unsere beiden „Mittelstreckenraketen“ Jastin und Max.

 



Nach einem zwar geselligen, aber auch sehr intensivem maritimen Trainingslager in Zinnowitz galt es für die Beiden, sich in einem ersten Bahnwettkampf außerhalb schützender Hallendächer einer Standortbestimmung zu unterziehen und sich auf einer 800m langen Fährte an die hochgesteckten Saisonziele heranzupirschen.

Da kam das Frühlingssportfest des Weißenseer SV gerade recht.

Das Hansastadion reicht in Sachen Glamourfaktor zwar nicht ganz an den Berner Letzigrund oder das hiesige Olympiastadion heran. Nach Aussage der Athleten handelt es sich aber um eine sehr gut organisierte Veranstaltung in familiärer und sympathischer Atmosphäre. Und ansprechende Leistungen wurden auch erbracht .

So unter anderem von Jastin und Max über die doppelte Stadionrunde.

Ersterer von akutem Abiturstress  gezeichnet, letzterer mit arg strapazierten Beinen ausgestattet, beide von kühlem Wind umweht – die Umstände ließen keine Rekorde erwarten.

Gleichwohl konnten sich Max und Jastin mit ihren Zeiten sehen lassen. Für die anderen Starter allerdings vornehmlich von hinten, denn sie belegten mit deutlichem Abstand die Plätze 1 und 2.

Dabei hatte diesmal Max nach einer 62’er Auftaktrunde auf der Zielgeraden mit 2:05,05 versus 2:05,76 knapp die Nase vorn, nachdem Jastin 600m lang Führungsarbeit geleistet hatte.

Als Auftaktergebnis können beide damit zufrieden sein und noch schnelleren Zeiten entgegentrainieren.

Beiden dabei viel Spaß und Jastin viel Erfolg für die kommenden Prüfungen!

Niko


Paris-Marathon
Donnerstag, 19. April 2012

In der Stadt der Liebe zum Laufsport
 
Acht Grad Celsius sind einfach zu kalt. Auch wenn man die acht Grad Celsius ausschreibt, damit sie zumindest nach mehr aussehen, fühlen sie sich da draußen nicht wärmer an. Dazu dann noch Wind. Der wärmt auch nicht, eher im Gegenteil.

Doch gibt es Tage, da genügt diese Unwirtlichkeit eines Sonntagmorgens nicht, über 30.000 Menschen davon abzuhalten, sich früh aus der schützenden Wärme des heimeligen Bettes zu stehlen. Zumeist für diese Witterung viel zu dünn gekleidet stehen sie alle um kurz nach halb neun an diesem Sonntagmorgen, dem 15. April 2012, auf den Champs Élysées. Ihr Kälteschutz besteht aus Plastikplanen, alten Pullovern oder Maleranzügen. Es knistert undne klappern und Glieder zittern, man hüpft und stampft. Die Haute Couture ist an diesem Morgen denkbar weit entfernt. Nur vereinzelt sieht man ihre Anhänger noch durch die Straßen ziehen und sich nicht minder über die bunte Meute von Frühaufstehern wundern.

Mittendrin stehe auch ich. Über dem LTC-Hemd, dass mir noch nie derart luftig erschien, trage ich eine jener Plastikplanen, deren Aufdruck von dem kollektiven Vorhaben dieses Morgens kündet: in wenigen Minuten startet die 36. Auflage des Marathon de Paris. Es wird Zeit, sich des letzten schützenden Kleidungsstückes zu entledigen, dass nicht mit auf die Reise über 42.195 m gehen soll. Jetzt hilft nur noch die Nähe zu den nicht immer wohlig duftenden Leidensgenossen.

Noch eine Minute bis zum Start. Die Aufregung erreicht ihren Höhepunkt. An die Kälte denkt keiner mehr, alle drängen zur Startlinie und es wird eng, unangenehm eng, derweil die Sekunden langsam wie nur selten vergehen und der Sprecher ankündigt, dass ihrer nur noch 30 verbleiben, was wiederum zu weiterem Streben in Richtung Start führt und auch als es nur noch zehn Sekunden sind nicht nachlässt bevor gemeinsam gezählt wird: fünf, vier, drei, zwei, eins und Schuss - endlich!
Den ersten Kilometer geht es leicht abfallend in Richtung Place de la Concorde. Hier wird sich am frühen Nachmittag Nicolas Sarkozy feiern lassen und seinen künftigen Wählern von einem Land erzählen, in dem Wein und Honig fließen. Doch weder die Ambitionen des kleinen Mannes mit den großen Worten noch Wein oder Honig sind in diesem Moment von Bedeutung. Jeder sucht sein Tempo und viele finden wie so oft nur das des anderen.


Kilometer eins, Place de la Concorde, ein LTC-Trikot mittendrin.

Es dauert einige Kilometer bis sich alles beruhigt und sich die ersten kleinen Zweckgemeinschaften gebildet haben. Insbesondere die langen Gegenwindpassagen fordern an diesem Tag einiges an Geschick. Wohl dem, der am vorherigen Sonntag beim Ostereier-Verstecken schon einmal geübt hatte.
Als die ersten Kilometer wie im Fluge vergehen wird mir einmal mehr bewusst, wie relativ doch Raum und Zeit für die Wahrnehmung des laufenden Menschen sind. Es ist die Erfahrung, die es zur Gewissheit werden lässt: die letzten Kilometer werden sich wieder in ungeahnte Längen ziehen. Doch noch sind sie weit entfernt.

Kilometer 15. Wir haben gerade die große und noch leere Bühne des sozialistischen Herausforderers François Hollande in der Nähe des Château de Vincenne hinter uns gelassen. Kurz beschleicht mich noch der Gedanke, dass Schloss und sozialistische Gesinnung nicht immer so nah beieinander lagen. Doch auch dieser Gedanke ist im frischen Wind des Tages schnell verflogen und die Konzentration bleibt auf die durchgehende blaue Linie gerichtet. Die erste relevante Zwischenzeit des Tages verrät Gutes. Mit persönlicher Bestzeit über 15 km bin ich auf dem rechten Kurs.

Als die Uhr zum Halbmarathon von der drittschnellsten bislang von mir über diese Strecke gelaufenen Zeit kündet, muss ich mich einen Moment besinnen. Doch hat es Heinz in den letzten äußerst harten Wochen nicht nur verstanden, meine Beine auf den Tag hin in Form zu bringen. Auch mental bin ich bereit, die Herausforderung anzunehmen und nach einem Wimpernschlag weicht die Besinnung wieder dem Willen und der Zuversicht.

Nun geht es immer an der Seine entlang. Immerhin sind die größeren Höhendifferenzen erst einmal überwunden und erst ab Kilometer 30 wird es wieder hinauf in Richtung Ziel gehen, doch liegt der Teufel hier im Detail. Es sind nur leichte Wellen, doch fordert das Auf und Ab  der Straßenunterführungen viel Konzentration. Langer Schritt hinab in den Tung aber ohne zu großen Krafteinsatz wieder hinaus, ein um das andere Mal.


Hinab in den Tunnel, in dem die "Prinzessin der Herzen" einst dem Tod entgegenfuhr.

Doch dies ist nur der Vorgeschmack. Von der Seine in Richtung Bois de Boulogne gilt es, einige Höhenmeter zu erklimmen. Der Wind steht auf der langen Geraden zur Port d'Auteuil geradewegs im Gesicht und die gesellige Zweckgemeinschaft ist der sprichwörtlichen Einsamkeit des Langstreckenläufers gewichen.

Als es oben angekommen hinein in den Stadtwald geht, ist diese Einsamkeit nicht allein auf der Strecke, sondern auch am Rand zu spüren. Kaum ein Zuschauer hat sich am noch immer recht frühen Sonntag-Vormittag hierher verirrt. Einzig bei Kilometer 39 finden sich einige lautstark alle Läufer anfeuernde Unterstützer. Hier ist mit einem Mal das Land vieler Träume scheinbar nah. Honig gibt es keinen, aber für die mutige Läuferleber wird Wein ausgeschenkt. Schweren Herzens entscheide ich mich für die Abstinenz und frage mich im Nachhinein, ob ein kleiner Schluck nicht die letzten langen Kilometer durch den ruhigen Wald zumindest in der Wahrnehmung verkürzt hätte.
Nur wenige, allzu scharfe Kurven, eine unendlich lang erscheinende wellige Gerade und einige hundert Meter Kopfsteinpflaster später ist es vollbracht. Ich laufe als 78. nach 2:33,31Std. in das Ziel im Angesicht des Triumphbogens ein und erfreue mich meines Sieges gegen mich selbst und die Zeit.


Nur noch wenige Meter, die ich allein auf weiter Flur genieße.

Im Ziel gibt es leider keinen Wein, sondern Wasser und Bananen. Nach der üblich langen Wanderung durch Medaillenvergabe und T-Shirt-Ausgabe finden sich alle Läufer wiederum in Plastikplanen gehüllt und vor Kälte zitternd wieder. Es knistert und knirscht; Zähne klappern und Glieder zittern; nur hüpft und stampft keiner mehr.

In diesen Minuten erfüllen mich eine tiefe Freude und Dankbarkeit. In den letzten Monaten habe ich ein festes gegenseitiges Vertrauen kennenlernen dürfen, dass die Grundlage meiner Leistung wurde. Heinz und ich haben in der Vorbereitung für die lange Distanz des Marathons und über die lange Distanz zwischen Paris und Berlin hinweg neue Wege beschritten und auch einiges gewagt. Dies wurde mit einer Verbesserung meiner Bestzeit um ziemlich genau fünf Minuten belohnt.

Am Ausgang des Zielbereiches erwartet mich Léna. Trotz Mütze und dicker Jacke ist sie mindestens ebenso durchgefroren wie ich es bin. Auch ihr ist die Entspannung in das Gesicht geschrieben. Kein Wunder, musste sie doch in den letzten Tagen und Wochen so einige Läufereigenheiten erdulden. Wir stärken uns für einen sportlichen Speiseplan eher untypisch noch mit frisch gegrilltem Fleischspieß und Merguez aus dem Maghreb, bevor wir den Heimweg mit dem Fahrrad antreten. Zum Glück geht es diesmal bergab bevor wir kurz vor der Seine noch ein letztes Mal die Marathon-Strecke kreuzen. Für uns führt der Weg ebenerdig über die Straßenunterführung, in der Lady Diana einst ihr Leben ließ und durch die noch immer viele Läufer dem Ziel entgegenstreben.
[gw]


Paderborner Osterlauf 2012
Dienstag, 17. April 2012

Paderborner Osterlauf 2012

Pa, Pa, Paderborn, da hab ich mein Herz verlor’n…
Aber wo ist denn bitte Paderborn ?, fragt sich der gemeine Bayer, obgleich in Berlin lebend, erst einmal. Um dann sogleich zu denken: Na, irgendwo in Preußen halt. Da ist bestimmt der Hund verreckt.

Nun, die Landkarte verrät, dass es eine Stadt in Westfalen ist, und obwohl dort vielleicht nicht immer der Bär steppen mag, gilt dies nicht für das Osterwochenende, wenn man auf die Ergebnisliste des nunmehr 66. (!) Osterlaufs blickt:

Vierzehn Männer unter der 30-Minuten-Grenze über 10km, eine Siegerzeit von 27:50 und über 3000 Finisher allein im 10m KM-Lauf - es gab obendrein noch einen ebenso stark besetzten Halbmarathon - sprechen Bände.

Mit dabei in erwähntem Frühjahrsläufermekka zwei LTC-ler, NIKO (10km) und MIRON (5km).

 

Ersterer hatte gehofft, das für ihn eher unbefriedigende Ergebnis der Berlin-Brandenburger Meisterschaften (Falkensee-Spandau) zu korrigieren. Und die Leistungen in den vergangenen Trainingseinheiten am Teufelsberg, bei denen er den einen oder anderen Kameraden ordentlich im Regen stehen ließ, u.a.  den Verfasser dieser Zeilen, hatten dieser Hoffnung durchaus einigen Nährboden verliehen.

Als unfreiwillige Tempomacherin bzw. Osterhäsin hatte er sich für dieses Vorhaben die neben ihm startende Irina Mikitenko auserwählt. Doch aus dem Windschattenlaufen wurde nichts. Schuld daran war allerdings weniger er, als vielmehr die letztlich zweitplatzierte deutsche Marathon-Rekordhalterin. Sie brauchte für die im Zickzackkurs durch recht öde Einfamilienhausreihen und Gewerbegebiete verlaufende Strecke nur 31:44 Minuten. NIKO musste die schnelle Dame nach drei für ihn wohl höllisch schnellen Kilometern von dannen ziehen lassen und kam nach 32:46 ins Ziel.

Damit war er zwar über eine Minute hinter Sportskameradin Mikitenko aber ebenso über eine Minute schneller als drei Wochen zuvor und somit mehr als zufrieden. Mit dieser Zeit erreichte er nämlich den 1. Platz in der Alterklasse M (man glaubt es kaum) 35 und platzierte sich im ersten Promill (30. von >3000) des Gesamtfeldes. Man munkelt jedoch, dass er die 1-Promille-Grenze bei abendlichen Osterfeuern in seiner hessischen Heimat im weiteren Verlauf doch noch gerissen hat...

Miron versuchte sich auf der kürzeren Distanz und zeigte sich im Anschluss ebenfalls zufrieden. Mit 17:59 blieb er haarscharf unter der 18-er Marke. Sollte er in den kommenden Monaten hie und da den Weg ins Mommsenstadion finden (worüber sich alle tierisch freuen würden), dann kann man da sicher noch was drücken.
Glückwunsch den beiden.
Max